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Manche halten sie immer noch für Idealisten
Es ist erstaunlich, dass es die Grünen immer noch verstehen, sich als Idealisten zu verkaufen. Dabei sind viele von Ihnen schon längst Großverdiener und pflegen einen Lebensstil, von dem ihre Wähler nur träumen können.
Helmut Kohl brachte es in seiner unnachahmlichen Weise auf den Punkt: „Erst Bio, dann Bimbes“. Wobei Bimbes für Geld steht.
Am besten versteht dieses Geschäft wieder `mal der Ober-Grüne Josef Fischer, der als „Joschka“ schon beinahe weltbekannt ist. Seitdem ihm die grüne Politik zu langweilig geworden ist, hält er lieber in Amerika Vorträge für 20.000 Dollar am Abend.
Seine exzellenten Beziehungen hat er durch die Nähe zu Madeleine Albright, die er damals auf diplomatischem Parkett kennen lernte. Heute ist sie so etwas wie seine „Ziehmutter“, die ihm die Wege zu den höchsten Kreisen ebnet.
Fischers Zug zum Hedonismus, den er schon heimlich pflegte, als ihn die meisten noch für einen Straßenkämpfer hielten, hat als erste Jutta Ditfurth erkannt. Als Grüne der ersten Stunde ging es ihr noch um die reine Lehre, es ging ihr um den Schutz der Natur und um den Einsatz für die sozial Benachteiligten. Als sie jedoch merkte, dass sie mit diesem Idealismus fast allein dastand, trat sie aus der Partei aus. Mit Fischer verbindet sie seither eine tiefe gegenseitige Abneigung.
Interessant ist auch der Karrieresprung, den die frühere Grünen-Vorsitzende Gunda Röstel hingelegt hat. Als Ostdeutsche kämpfte sie zunächst für die Rettung der Lausitz und, natürlich, gegen die Atomlobby. Inzwischen hat die Grünen-Chefin die Seiten gewechselt. Sie verabschiedete sich aus der Politik und übernahm selbst einen hoch bezahlten Posten im EON-Konzern, dem sie vorher höchst kritisch gegenüber stand. Nach Pressemeldungen winkt demnächst ein weiteres Aufsichtsratsmandat in der südwestdeutschen Atomindustrie. Für Frau Röstel hat sich die Blitzkarriere bei den Grünen gelohnt. Sie musste allerdings auch die Belehrungen des Parteipatriarchen Fischer ertragen, dem sie „Macho-Gehabe“ vorwarf.
Wer erinnert sich heute noch an Rezzo Schlauch, den gemütlichen Schwaben, der immer ein paar Gläschen Rotwein brauchte, bevor er politisch auf Touren kam? In seiner Glanzzeit brachte es der Vorzeige-Grüne sogar zum Staatssekretär im Wirtschaftsministerium. Danach sagte er der Politik adieu und ging dorthin, wo die pekuniäre Oberklasse vertreten ist. Herr Schlauch ist heute ein gefragter Lobbyist im Dienste des Karlsruher Atomherstellers EnBW. Geschätzt werden vor allem seine Beziehungen zur Politik, die gerade jetzt, da das große Geschäft zu Ende gehen könnte, viel wert sind.
Der erstaunliche Gesinnungswandel von Politikern ist selbstverständlich nicht nur eine grüne Spezialität. Vom ehemaligen SPD-Kanzler Gerhard Schröder hörte man schon immer, dass sich seine enge Freundschaft zu Wladimir Putin in barer Münze auszahlte. Warum nicht?
Gegenwärtig setzt er sich sehr stark für die russische Gaspipeline durch die Ostsee ein. Schärfster Konkurrent ist kein Geringerer als sein früherer Kabinettskollege Joschka Fischer, der für die alternative Nabucco-Pipeline durch die Türkei und Ungarn-Österreich seine Beziehungen spielen lässt.
Wann hat Millionär Fischer überhaupt noch Zeit für seinen lukrativen Beraterposten bei BMW? Konzernchef Reithofer lobte seinen neuen Mitarbeiter in hohen Tönen: „Herr Fischer öffnet uns natürlich mit seinen Kontakten viele Türen in aller Welt.“
Da müssten die Grünen schon den Bundeskanzler stellen, dass dieser Multi-Lobbyist noch einmal in die Politik zurückkehren würde.
Helmut Wunschel |